Die sechs wichtigsten Gartenfachmessen in Deutschland

Gartenfachmesse - Internationale Grüne Woche in Berlin

Der Gartenbau ist so vielfältig, dass er sich in sieben Sparten gliedert: Zierpflanzenbau, Obstbau, Gemüsebau, Staudengärtnerei, Baumschulen, Friedhofsgärtnerei sowie den Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. Außerdem gibt es noch die Floristik. Das Grundwissen ist gleich, aber jede Fachrichtung erfordert spezielle Kenntnisse und Fertigkeiten und bietet auch eigene Ausbildungswege. Im folgenden Blogbeitrag stellen wir Ihnen die  sechs wichtigsten Gartenmessen vor, die mit unterschiedlichem Fokus eine interessante Bandbreite für alle Hobby- und Profigärtner bieten.

Die IPM Essen – Weltleitmesse des Gartenbaus

Die Interessen der meisten Sparten bedient die IPM, die Internationale Pflanzenmesse in Essen. Jedes Jahr Ende Januar (Corona-bedingt nicht in 2021) trifft sich dort für vier Tage die grüne Branche. Rund 1.500 Aussteller aus ungefähr 50 Ländern präsentieren Produkte und Dienstleistungen in den vier Bereichen Pflanze (Topf und Schnitt, Baumschulware, Jungpflanzen, Stauden, Saatgut etc.), Technik (Bewässerung, Klimaführung, Gewächshausbau, Arbeitsgeräte, Transport, Hebetechnik, Produktionstöpfe, Mess- und Regeltechnik, Erden, Dünger, Pflanzenschutz etc.), Ausstattung (Töpfe, Deko, Bedarfsartikel, Software etc.) und Floristik. Alle Messestände sind aufwendig und attraktiv inszeniert. Die Länderbeteiligungen sind mehr und größer geworden, allen voran bei den Niederländern, aber beispielsweise auch bei Spanien, Belgien, Polen und Großbritannien. Italienische und dänische Aussteller füllen sogar eigene Hallen.

Die IPM ist ein Branchentreffpunkt und eine Ordermesse. Zutritt haben nur Fachbesucher, von denen fast zwei Drittel Entscheidungskompetenz haben. Der Anteil ausländischer Besucher erreicht rund 40 Prozent. Die Messe stellt Innovationen, Trends und nachhaltige Lösungen mit dem Fokus Pflanzen und Produktion vor. So prämiert das Neuheitenschaufenster beste Pflanzenzüchtungen. Der Berufsstand präsentiert sich mit Lehre und Forschung, Aus- und Weiterbildung sowie seiner Verbandsarbeit. Für Floristen sind die Bühnenshows, Wettbewerbe und Marketingkonzepte Ideen- und Impulsgeber. Stars der Floristikszene setzen Trends. Als Weltleitmesse bildet die IPM die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktion bis zum Point-of-Sale ab. Einige Verbandskongresse begleiten die Messe. Die Messe, die 1982 erstmals stattfand, hat Töchter in Dubai, Moskau, Peking und Bangalore.

spoga+gafa – Messe für Lifestyle im Garten

Mehr als die IPM rückt die spoga+gafa die Vermarktung von Gartenprodukten in den Mittelpunkt. Als Leitmesse für die Garten- und Freizeitbranche spricht sie den Fachhandel und den Fachgroßhandel an, ist interessant für Gartencenter, Bau- und Heimwerkermärkte sowie für Kauf- und Warenhäuser und den Versandhandel. Auch der Möbelhandel sowie Einkäufer aus dem Objektgeschäft besuchen die Messe in Köln. Der jährliche Termin im September fiel wegen Corona 2020 aus und wird künftig Ende Mai sein.

Vier Angebotsbereiche erleichtern Fachbesuchern die Orientierung: Dem Bereich garden creation & care sind Pflanzen, Biochemie und Erden, Maschinen und Zubehör sowie Werkzeuge, außerdem Gartenausstattung und -häuser, Wasser und Licht zugeordnet. Eine weitaus größere Fläche nimmt der Bereich garden bbq ein, mit Grills, BBQs, Outdoorküchen und Zubehör. Ein spezielles Areal namens garden unique präsentiert exklusive Gartenmöbel von internationalen Premium-Brands. Der vierte Bereich ist garden living übertitelt und gliedert sich in die Segmente Sport & Spiel, Camping & Freizeit, Dekoration & Ausstattung sowie Gartenmöbel.

Rund 1.800 Aussteller aus 67 Ländern sind vertreten. Auf dem Boulevard of ideas sowie am POS Green Solution Islands und in der Trendshow Outdoor Furniture & Decoration werden aktuelle Trendthemen präsentiert und im Forum Garten Café und im Forum Technologie Aktuelles diskutiert. Für Einkäufer aus Gartencentern und Baumärkten gibt es spezielle Rundtouren. Außerdem finden Verbandsveranstaltungen statt.

Der Messename stammt von der Kombination aus Sportartikeln und Gartenartikeln auf der ersten internationalen Fachmesse 1960. Obwohl sich weitere Sportmessen etablierten, blieben die Segmente Angeln, Wassersport, Camping und Gartenmöbel in Köln. Der Reitsport bekam mit der spoga horse eine eigene Veranstaltung, die im Frühjahr und im Herbst parallel zur spoga+gafa stattfand. Ab 2021 gibt es davon nur noch eine Februar-Ausgabe.

demopark – mit großzügigem Gelände für Praxisvorführungen

Die demopark ist eine Freiluftveranstaltung auf dem Flugplatz Eisenach-Kindel, weil Maschinen und Geräte draußen in Aktion vorgeführt werden können. Es geht um Produkte und Dienstleistungen für den Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, die Grünflächenfläche, die Kommunaltechnik sowie die Golfplatzpflege. Seit 2007 gehört die Sonderschau Rasen zum Veranstaltungskonzept. Saatgutfirmen sind ebenso vertreten wie Hersteller von Pflegemaschinen. Die Fachbesucher nutzen ausgiebig die Gelegenheit zum Anfassen und Ausprobieren. Themen der demopark sind Anlagenbau, Technik, Beregnung und Pflege, außerdem Recycling und regenerative Energie. Sie stellt unter anderem innovative Konzepte, multifunktionale Geräte, digitale Entwicklungen und nützlingschonendes Arbeiten vor. Vortrags- und Diskussionsrunden geben den Praktikern Tipps und Denkanstöße. Die demopark ist eine 3-tägige Sommermesse in ungeraden Jahren. Sie spricht eine bestimmte Klientel an und ist deshalb mit rund 400 internationalen Ausstellern repräsentativ bestückt.

GaLaBau – Leitmesse für Landschaftsbauer

Im Zweijahres-Rhythmus findet in geraden Jahren im September in Nürnberg für vier Tage die Fachmesse GaLaBau Messe statt. Neben den Hallenpräsentationen gibt es auch Freiland-Demonstrations- und -testflächen sowie Sonderschauen und Vorträge. Die Messe gilt als internationale Leitmesse für Planung, Bau und Pflege von Urban- und Grünräumen, Sportplätzen, Golfanlagen und den Spielplatzbau. Die Fachbesucher kommen aus dem GaLaBau, sind Landschaftsarchitekten, Planer aus Behörden oder Motoristen. Über 1.300 Aussteller präsentieren ihre Produkte und Dienstleistungen rund um Maschinen und Geräte, Baumpflege, Steine und Materialien, Baustoffe, Planung, Software, Pflanzen, Entsorgung, Arbeitsorganisation etc. Es gibt spezielle Themenbereiche: Das „Forum Golf“ dreht sich um Bau, Pflege und Management von Golfplätzen. „Playground“ ist ein Forum für Hersteller von Spielplatzgeräten und Freizeitanlagen. Das Praxisforum „Planung und Wissen kompakt“ schult Landschaftsarchitekten. Ein Highlight ist der Landschaftsgärtner-Cup, der bundesdeutsche Berufswettbewerb des GaLaBau-Nachwuchses als Vorentscheid für die Internationale Berufsweltmeisterschaft „World Skills“.

Agritechnica – interessant für Gemüsebauer

Die Leitmesse Agritechnica für Technik in Hannover ist in erster Linie für die Landwirtschaft interessant. Aber auch Gemüseanbauer finden dort Innovationen und Anregung. Sie schätzen es, dass internationale Hersteller vertreten sind, die auf keine der kleinen Fachmessen kommen. Digitalisierung, „smart farming“ genannt, verspricht Produktivitätsvorteile auch für Sonderkulturen aus dem Gemüsebau: Beispielsweise machen mit Wetterstationen vernetzte Beregnungstechnik, satellitengesteuerte Arbeitsmaschinen sowie Drohnen zur Kulturkontrolle und Erntemaschinen mit Elektroantrieb Entscheidungsprozesse einfacher und helfen ressourcenschonender zu arbeiten. Die Agritechnica findet seit 1985 alle zwei Jahre für eine Woche im November statt.

Internationale Grüne Woche – politisches Parkett

Seit ihren Anfangstagen 1926 als Tagung mit Verkauf hat sich die Grüne Woche zu einer international beachteten Messe mit über 1.800 Ausstellern entwickelt. Die IGW in Berlin präsentiert jeweils zu Jahresbeginn fertige Erzeugnisse aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau und der Ernährungswirtschaft. Sonderschauen, Vorträge und Seminare runden die Messe ab. Für das allgemeine Publikum ist es eine Erlebnismesse mit vielen Probier- und Kaufstationen. Das ist beabsichtigt, um die Produkteignung am Markt zu testen und Brands zu stärken. Neben Nahrungs- und Genussmitteln sowie Feinkost ist auch Küchen- und Haustechnik vertreten. Für das Fachpublikum sind Fachveranstaltungen, Verbändevertretungen, Lieferantenkontakte, Gastronomieexperten und politische Repräsentanz interessant. Auch die berufsständischen Vertreter des Gartenbaus sind dort aktiv. Seit 2008 findet zeitgleich die Welternährungskonferenz statt. Wegen der Corona-Pandemie ist für 2021 nur eine digitale IGW für Fachbesucher geplant, der Erlebnisteil entfällt. (Mehr zur Gartenmesse IGW erfahren Sie hier: https://www.messebau.de/blog/messevorstellung-internationale-gruene-woche/)

Weitere spartenbezogene Gartenmessen – klein und speziell

Fruchtwelt Bodensee – Obstanbau in Deutschlands Süden

Diese internationale Veranstaltung Fruchtwelt Bodensee ist eine Fachmesse speziell für Obstbauern, Landwirte und Brenner. Ihre Interessen stehen alle zwei Jahre in Friedrichshafen für drei Tage im Vordergrund. Im Februar 2020 gaben rund 380 Aussteller einen Marktüberblick über neue Obstsorten, Pflanzenschutz, Bearbeitungsmaschinen und Erntegeräte sowie zur Vermarktung. Auch für den Obstbau ist „smart farming“ zukunftsträchtig. Darüber hinaus bietet die Messe ein Rahmenprogramm mit Expertenvorträgen und Diskussionen.

Ein kleineres Pendant sind die Norddeutschen Obstbautage in Jork, im Anbaugebiet des Alten Landes. Anfang des Jahres – erst wieder 2022 – treffen sich dort Obsterzeuger und Fachleute, auch aus Polen, den Niederlanden und Skandinavien.

Fruit Logistica – eine internationale Handelsmesse

Eine internationale Leitmesse für den Handel mit Obst und Gemüse ist die Fruit Logistica. 3.300 Aussteller aus knapp 80 Ländern kommen zu dieser globalen Messe in Berlin, die Innovationen, Produkte und Dienstleistungen für alle Handelsstufen zeigt. Das Angebotsspektrum reicht von Frischprodukten über Technik bis zu Logistik und Dienstleistungen. Parallel läuft eine Fachmesse für Convenienceprodukte aus dem Frischfruchthandel. Der Termin für 2021 wurde aus dem Februar auf den Mai verlegt, weil das für Geschäftsabschlüsse günstiger ist.

Friedhofstechnik – Fachausstellung in Essen

Die Friedhofstechnik im September ist eine ein-tägige Fachveranstaltung auf dem Gelände des Bildungszentrums Gartenbau. Rund 90 Aussteller zeigten – zuletzt 2019 – Maschinen, Geräte, Material und Software. Rund 1.200 Friedhofsgärtner und Friedhofsverwalter informieren sich über Neuheiten, Pflanzensortimente und Pflanzenschutz und sehen sich Praxisvorführungen sowie die Sonderschau Grabgestaltung an. Höhepunkte sind die Deutsche Meisterschaft für Friedhofsgärtner sowie der Wettbewerb Grabgestaltung für Auszubildende.

Baumschultechnik – Spezialmesse in Pinneberg

Technische Neuheiten, Kulturverfahren und Produkte für Baumschulen stehen im Mittelpunkt der Baumschultechnik in Pinneberg. Etwa 300 internationale Aussteller zeigen an zwei Messetagen umweltverträgliche und naturschonende Technik und Ausstattung, um wirtschaftlich effektiv zu arbeiten, zum Beispiel Rodegeräte, Steuerungssysteme, automatische Sortierung, Transportsysteme und Pflanzenschutzgeräte. Auch der kollegiale Austausch wird von den Fachbesuchern aus aller Welt geschätzt. Neu ist der Schwerpunkt Weihnachtsbäume. Ein Besuchermagnet sind die Maschinenvorführungen unter Praxisbedingungen. Gleichzeitig öffnen rund 50 Baumschulen im Pinneberger Umland unter dem Namen Holsteiner Baumschultage florum ihre Tore für Fachbesucher. Messetermin war im August 2019, nachdem die Messe sieben Jahre ausgesetzt hatte.

Gartenmessen für Hobbygärtner

Garten und Balkon sind „in“: Einerseits ist unser Verhältnis zur Umwelt sensibler geworden – auch durch Menschen wie Greta Thunberg. Wir wünschen uns mehr Grün um uns herum; einige möchten Essbares selbst heranziehen. Die eigene Snack-Tomate schmeckt doch viel besser als eine gekaufte! Andererseits gibt es ein Bedürfnis nach Cocooning. Wer möchte sich nicht aus einer aufreibenden Arbeitswelt in ein wohliges Heim zurückziehen können? Corona hat nun so manchem von uns die Zeit beschert, in Haus und Garten Träume zu verwirklichen. Ideen, Firmenkontakte und kreativen Austausch für die eigene grüne Oase liefern schon seit Jahren zahlreiche Gartenmessen. Wegen ihrer unterschiedlichen Schwerpunkte ist für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei.

Die Pflanzentauschbörsen – botanische Treffen

Hier treffen sich botanisch Interessierte, um ihre Pflanzenschätze zu zeigen und gegen andere pflanzliche Besonderheiten zu tauschen. Aber auch „normale“ Pflanzen, Ableger, Samen und überschüssige Anzuchten wechseln den Besitzer. Viele Hobbygärtner haben enorme Fachkenntnisse auf einem Spezialgebiet und freuen sich, mit Gleichgesinnten darüber zu fachsimpeln und neue Sorten auszuprobieren. Aber auch Gartenanfänger kommen gerne, weil sie interessante Pflanzen verbunden mit neuem Wissen und einem Geschichtchen ergattern können. Als Veranstalter treten oftmals das Gartenamt, ein Kreisfachverband oder der Naturschutzbund auf. Auch Interessengemeinschaften für das Hobbygärtnern oder für einen historischen Garten organisieren regelmäßig solche Treffen. Während der Gartensaison laufen sie wöchentlich und bundesweit. Meist finden sie im Freien statt. Aber auch online haben sich einige Pflanzentauschbörsen etabliert.

Die Gartenevents – von rustikal bis gediegen

Sie heißen Gartentage, Gartenmärkte, Pflanzenmärkte, Gartenfeste oder Park- und Schlossfeste und offenbaren damit schon ihren Charakter. So sind manche Veranstaltungen nur speziellen Pflanzen oder -gruppen gewidmet, etwa Schneeglöckchentage oder Fuchsienmarkt bzw. Beetpflanzentage oder Kräutermarkt. Die meisten allerdings sind breitgefächert aufgestellt, fast immer verbunden mit einem gastronomischen Angebot.

In Frühling, Sommer oder Herbst gibt es vielerorts für die Bürger Gartenmärkte. Häufig kombinieren sie das Angebot örtlicher Gärtnereien und Floristen mit lokalem Handwerk und Kunstgewerbe. Schauplatz ist meist der Marktplatz oder die Fläche rund um die Kirche. In der Regel finden diese Gartenmärkte am Wochenende statt, und auch die Geschäfte dürfen dann geöffnet sein.

Wie die Pilze sind in den letzten Jahren Gartenevents in stilvollem Ambiente aus dem Boden geschossen. Die Veranstalter haben erkannt, was die Besucher in Kauflaune versetzt. Für Burgen und Schlösser, Herrenhäuser und Parkanlagen sind es darüber hinaus wichtige Einnahmequellen zum Unterhalt. Wo die historische Kulisse fehlt, wird etwas nachgeholfen, etwa durch ansprechende Pagodenzelte für die Aussteller. Guter Service, gastliches Ambiente und ein feines Rahmenprogramm gehören dazu. Der Besuch einer Garten- und Lifestylemesse kostet Eintritt. Gärtner, Architekten, Handwerker, Designer, Künstler, Musiker und Gastronomen präsentieren sich in malerischer Umgebung.

Der Schwerpunkt dieser Messen variiert je nach Veranstaltungstyp: Die Aussteller zeigen Exquisites aus den Bereichen Garten, Wohnen, Mode, Kunst und Kulinarik: Pflanzen, ausgesuchte Gartenprodukte, Kunsthandwerk, Gartenarchitektur, florale Gestaltung, Gartendekoration, Design, Gartenmöbel, Wasserspiele, Produkte rund um die ländliche Lebensart, Gartenzubehör, Accessoires, regionale Spezialitäten, Antiquariat, musikalischer Rahmen, Pool & Spa, kulinarische Köstlichkeiten – jeder kommt auf seine Kosten: Naturfreund und Schöngeist,  Alt und Jung; Single oder Familie;  schmales und dickes Portemonnaie. Besucher lassen sich inspirieren und begeistern; sie holen sich praktische Tipps und lassen sich beraten; am Ende des Tages nehmen sie gewiss das ein oder andere mit heim. Im Sommer ist Hochkonjunktur für Events wie „Gartenlust“, „Landpartie“, „LebensArt“, „Sommerfestival“, „Landgeflüster“, „Park & Garden Country Fair“ und Co. Nur im Corona-Jahr 2020 nicht.

Die offiziellen Gartenschauen

Landesgartenschauen – Strukturverbesserer in den Bundesländern

In den 1970er Jahren kam die Idee für Landesgartenschauen auf. Die erste fand in NRW statt, einige andere deutsche Bundesländer folgten dem Modell. Aber nicht in jedem Bundesland und nicht in jedem Jahr finden Landesgartenschauen statt. 2020 gab es in Nordrhein-Westfalen eine Landesgartenschau in Kamp-Lintfort. Ziel ist es, einen benachteiligten Bereich städteplanerisch aufzuwerten, die Struktur zu fördern und die Lebensqualität zu verbessern. Deshalb sind es oft Industriebrachen, marode Stadtteile, Bergbaugebiete oder Gewässerlagen, die zu blühenden Oasen umgewandelt werden. Die Gemeinden bewerben sich um die Ausrichtung und werden bei Zuschlag mit Landesmitteln finanziell unterstützt. Für rund ein halbes Jahr ist die veranstaltende Kommune attraktive Anlaufstelle für Touristen, die nicht nur durch den Besuch der Gärten Geld im Ort lassen.

Weit im Voraus werden Gelände geformt, Wege angelegt, Beete vorbereitet, Solitärpflanzen gesetzt.  Während der Show faszinieren vor allem Zwiebelblumen, Sommerpflanzen und Staudenbeete die Besucher. Sie wollen Blumen sehen und Gartenambiente spüren. Deshalb erfüllen frisch angelegte Gartenschauen manchmal nicht die Erwartungen der Gäste. Auch Mustergräber, Steinmetzarbeiten, Kleingartenparzellen mit Gemüsen und Obstgehölze sind zu begutachten. Außerdem locken Floristen und Gärtner in die Hallenschauen. Daneben stellen je nach Show außerdem Imker, Fischzüchter, Angelvereine, Forstleute oder Vogelkundler aus. Ein Unterhaltungsprogramm mit Show, Musik, Tanz oder Vortrag sorgt für ständige Anreize wiederzukommen. Und selbstverständlich gibt es Speisen und Getränke.

Auf einer Landesgartenschau finden die Besucher Anregungen für ihre Gärten, knüpfen Kontakte zu örtlichen Fachfirmen, können auf lockerer Art Neues Gartenwissen dazu gewinnen und außerdem die Leistungen der Gartenbaubranche kennenlernen. Vielfach finden die Berufswettbewerbe der Landschaftsbauer auf der Landesgartenschau statt.

Internationale Gartenbauausstellungen – Leistungsshows der grünen Branche

Alle zehn Jahre findet eine IGA, eine Internationale Gartenbauausstellung statt. Ähnlich einer Landesgartenschau, nur größer dimensioniert zeigt sie das Leistungsvermögen der grünen Branche sowie Trends und Entwicklungen. Gartenschauen mit internationaler Beteiligung haben in Deutschland eine lange Tradition: 1865 gab es die erste in Erfurt. Heute ziehen Gartenanlagen, Landschaftsarchitektur, Landschaftsbau, Wasserbau, Sortenschau sowie Gartengeräte und Zubehör, darüber hinaus Gartenmöbel und Accessoires und ein weitgefächertes Rahmenprogramm Besucher von nah und fern an. Die Bedeutung einer solchen Schau zeigt sich daran, dass der Bundespräsident Schirmherr ist. Die ausrichtenden Städte bekommen finanzielle Unterstützung vom Bund sowie von der Bundesgartenschaugesellschaft. In dieser sind die drei Fachbereiche Gartenbau; Baumschule sowie der Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau vertreten. Eine IGA muss Deutschland beim Bureau International des Expositions beantragen. Es sorgt unter anderem dafür, dass europäische Gartenschauen nicht zu nahe nacheinander stattfinden. Eine attraktive Gartenveranstaltung in den Niederlanden ist beispielsweise die Floriade.

Expo – weltweite Aufmerksamkeit

Am Rande seien außerdem die rund einen Sommer langen Weltausstellungen erwähnt. Eine Expo kombiniert technische Errungenschaften mit kultureller Unterhaltung. Diente sie früher hauptsächlich als Leistungsschau zur Geschäftsanbahnung, so beschäftigt sie sich heute mit dringlichen Menschheitsfragen. Auch der Gartenbau zeigt dort genutzte und potenzielle Alternativen aus allen seinen Sparten auf.

Beliebte Gartenmessen im europäischen Ausland

Die Reihe der Gartenausstellungen in Europa ist lang. Den ganzen Sommer über gibt es wunderschöne, innovative, alternative, traditionelle, kulturell geprägte oder floristisch gestaltetet Events, die einen Besuch wert sind. Hier ist nur eine kleine Auswahl aufgeführt, die einen Querschnitt durch die Vielfalt der Konzepte wiedergeben.

Die Chelsea Flower Show ist ein gesellschaftliches Ereignis in Großbritannien. Aus den Anfängen von 1827 ist eine fünftägige Veranstaltung erwachsen, die Überfüllung beklagt und Tickets limitiert. Die Royal Horticultural Society RHS organsiert die jährliche Ausstellung und behält die ersten beiden Tage ihren Mitgliedern vor. Hauptattraktion sind die Schaugärten, finanziert durch Sponsoren, überproportional dicht bepflanzt, mit Tricks zu Hochform gebracht und oft ohne weitere Verwendung, aber atemberaubend schön. Typisch britisch ist die Leistungsschau bei Pflanzen und Schnittblumen: Sie werden zur besseren Begutachtung einzeln, ohne floristisches Beiwerk präsentiert. Ein Sieg bei einem der Wettbewerbe bringt Architekten und Gärtnern Prestige. Käuflich erwerben können Besucher allerlei Gartenprodukte, wie Pflanzen, Werkzeuge, Gartendeko, außerdem Gartenmode und gärtnerische Accessoires. Längst hat die Chelsea Flower Show ein halbes Dutzend kleinere Ableger in anderen britischen Städten.

Das Festival International des Jardins findet seit 1992 jährlich in den Parkanlagen der Domäne Chaumont-sur-Loire statt. Während des Sommers zeigt es zeitgenössische Kunstinstallationen sowie avantgardistische Garten- und Landschaftsgestaltungen. Gartenarchitekten, Künstler, Designer und Gärtner aus aller Welt schaffen Trends und Inspirationen. Ein Wettbewerb zu einem vorgegebenen Thema setzt die innovativsten und ausgefallendsten Ideen um.

Die Floriade ist seit 1960 eine Internationale Gartenschau, auf der sich der dynamische holländische Gartenbau einem breiten Publikum präsentiert. Alle zehn Jahre entsteht in einer anderen niederländischen Stadt oder Gemeinde ein Park mit Gärten, Gewächshäusern, Teich- und Wasseranlagen sowie Themen rund um Nachhaltigkeit, Architektur sowie Kunst und Kultur. Rund sieben Monate steht das Grün im Mittelpunkt – 2022 in Almere.

Die Genter Floralien führen ihre Besucher auf einem großen Rundweg durch das gesamte Ausstellungsgelände. Inspirierende Gärten, Kunstinstallationen und florale Kreationen bilden für eine Woche im Mai den Kern dieser Blumenschau. Seit 1809 finden die Genter Floralien alle fünf Jahre in Gent, im Zentrum des belgischen Blumenanbaus statt.

Eine reine Indoor-Veranstaltung auf 30.000qm ist die Giardina in Zürich. Schweizer Gartenbauer zeigen für fünf Tage 1:1-Beispiele für Garten, Terrasse oder Balkon. In den Gartenszenen und Minigärten verschmelzen Natur, Architektur und Design. Außerdem gibt es ein ausgewähltes Sortiment nützlicher Gartenartikel zum Kauf. 2018 fand die Giardina zum 20. Mal statt.

 

Quellen: 

Website-Informationen der vorgestellten Messen

Bildnachweis:

Beitragsbild © Messe Berlin GmbH / https://press.messe-berlin.de/fotoweb/archives/5006-Internationale-Gr%C3%BCne-Woche/

Dennis Heinzmann

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